Nachruf auf Christine von Weizsäcker | Obituary for Christine von Weizsäcker
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Nachruf auf Christine von Weizsäcker
Seit dem Rio-Gipfel 1992 war Christine von Weizsäcker eine der wichtigsten Stimmen der Zivilgesellschaft in der Umweltpolitik und im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (UN-Biodiversitätskonvention | auf Englisch kurz CBD).
Sie besaß die außergewöhnliche Fähigkeit, in Kontaktgruppen bis in die frühen Morgenstunden zu sitzen, aufmerksam zuzuhören und sich Notizen zu machen.
Sie beobachtete, griff bei Bedarf mit konstruktiven Vorschlägen für das weitere Vorgehen ein und teilte ihr Wissen stets gleichermaßen mit Kolleg:innen, Vertragsparteien und Nichtregierungsorganisationen. Sie verstand den Text wie kaum eine andere und gab offen Ratschläge zur Formulierung von Texten oder zum Umgang mit der Konvention.
Als Biologin war sie sich stets im Klaren darüber: Der Verlust der biologischen Vielfalt, der Verlust von Land oder des Zugangs zu Wasser ist nicht nur ein Umweltproblem – er kann darüber entscheiden, ob Menschen Nahrung sowie sichere und selbstbestimmte Lebensgrundlagen haben oder nicht. Sie veröffentlichte Beiträge über die engen Zusammenhänge zwischen SDG 15 – Leben an Land – und den SDGs 1 und 3 zur Beseitigung von Armut und Hunger. Ihre Arbeit zum Vorsorgeprinzip ist nach wie vor von zentraler Bedeutung für den Kampf gegen den Verlust von Ökosystemen und Arten sowie für den Schutz der Rechte der Menschen.
Ihre aufschlussreichen Analysen waren für die CBD, für die Zivilgesellschaft weltweit und für die Delegationen gleichermaßen von entscheidender Bedeutung. Auch in der Diskussion über ethische Risiken der Biogenetik war sie eine wichtige Stimme und trug aktiv zur Ausgestaltung des Cartagena-Protokolls bei.
Christine nahm an Treffen der Zivilgesellschaft teil und hielt präzise Vorträge über den Stand der Verhandlungen und die drängendsten Themen, wodurch sie es allen Anwesenden ermöglichte, sich an diesen politisch komplexen Fragen zu beteiligen oder eine Verbindung zwischen der internationalen Ebene und den lokalen Kämpfen herzustellen. Ihre Fähigkeit, unterschiedliche Menschen miteinander zu verbinden, führte zu gegenseitigem Verständnis und ebnete den Weg für dringend benötigte Kompromisse in den Verhandlungen.
Sie war eine Mentorin, ein Vorbild und eine leidenschaftliche Verfechterin der Stimmen von Frauen, indigenen Völkern und Rechteinhaber:innen in den Diskussionen zur biologischen Vielfalt.
Sie war eine Freundin für viele, ein freundlicher und großzügiger Mensch und eine Person mit klaren Werten, die bereit war, diese auch in komplizierten Situationen zum Ausdruck zu bringen.
Und schließlich war Christine von Weizsäcker eine Vorreiterin für Frauen in den oft allzu männlich geprägten internationalen politischen Bereichen und insbesondere in der internationalen Biodiversitätspolitik.
Christine war die „Great Lady of Biodiversity“, und wir ehren und danken ihr als Menschen und als Lebewesen, die auf diesem grünen und blauen Planeten leben, für ihren unermesslichen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt.
Obituary for Christine von Weizsäcker
Since the Rio summit in 1992, Christine von Weizsäcker has been one of the most important civil society voices in environmental policies and the Convention.
She had the extraordinary ability to sit, listen attentively and take notes in contact groups until the early morning hours.
She would observe, whenever needed intervene with constructive suggestions on the way forward and always share knowledge with colleagues, parties and NGOs alike. She would understand the text like few others, and openly share advice on how to formulate text or engage with the Convention.
As a biologist, she was always clear: The loss of biological diversity, land or access to water is not just an environmental issue – it can decide whether or not people have food as well as a safe and self-determined livelihoods, She published on the strong linkages between SDG 15 – life on land – and SDGs 1 and 3 on poverty and hunger eradication. Her work on the Precautionary Principle remains central to fight the loss of ecosystems and species and protect the rights of people.
Her insightful analysis was crucial to the CBD, to civil society around the world and to delegations alike. She was an important voice in the discussion about ethical risk of biogenetics as well, and was actively contributing to the design of the Cartagena Protocol.
Christine would join civil society meetings and give precise lectures on the state of negotiations and the most burning issues, thus enabling everyone else in the room to join in on these politically complex issues or link the international space the local struggles. Her ability to connect diverse people has led to mutual understanding and paved the way for much needed compromises in the negotiations.
She was a mentor, a role model and a fierce supporter of women’s, indigenous’, and right’s holders’ voices in the biodiversity discussions.
She was a friend to many, a kind and generous person and a person full of clear values willing to express them even in complicated situations.
And finally, Christine von Weizsäcker was a trailblazer for women in the often all to male political international spaces and in biodiversity policies in particular.
Christine was The Great Lady of Biodiversity, and we honour and thank her as humans and as species living on this green and blue planet for her immeasurable contribution to the protection of biodiversity.
