PM: Kürzungen im BMZ-Haushalt bedrohen kleine Organisationen in ihrer Existenz

Berlin, den 10.09.2026 – Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht erneut Kürzungen im Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vor. Der Sparkurs trifft die gesamte entwicklungspolitische Zivilgesellschaft. Besonders kleine und mittlere entwicklungspolitische Organisationen mit wenigen hauptamtlichen Mitarbeitenden und geringen Rücklagen geraten dadurch unter existenziellen Druck. Das gefährdet nicht nur ihre Arbeit, sondern auch die Vielfalt einer demokratischen Zivilgesellschaft.

Während Kriege, Hungerkrisen, die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt weltweit zunehmen, setzt die Bundesregierung ihren Sparkurs im entwicklungspolitischen Haushalt fort. Der Etat des BMZ ist 2026 auf rund 10 Milliarden Euro gesunken – ein Minus von mehr als 250 Millionen Euro gegenüber 2025 und ein Rückgang von fast 20 Prozent seit 2023. Der BMZ-Anteil am Gesamthaushalt liegt damit unter zwei Prozent, dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. 2027 soll der EZ-Etat noch einmal auf rund 9,5 Milliarden Euro gekürzt werden. Auch die Fördergelder des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) für die Internationalen Klimaschutz Initiative (IKI) für Klimaanpassung, Klima-, Wald- und Biodiversitätsschutz werden gekürzt.

Für Mitglieder des Forums Umwelt und Entwicklung sind bereits zugesagte Fördervolumina erheblich zurückgegangen. Ein Beispiel:

„Seit über 20 Jahren sensibilisieren wir Jugendliche für die globalen Zusammenhänge unserer Ernährung. Konkret bedeuten die Kürzungen für uns einen Verlust von mehr als 85.000 Euro – und damit die Entlassung von zwei Kolleg*innen. Es ist uns unmöglich, unsere entwicklungspolitische Arbeit in der bisherigen Breite und Qualität weiterzuführen, zumal weitere Kürzungen von Fördermitteln angekündigt sind“, warnt Mireille Remesch, Referentin für Agrarpolitik bei Essen mit Zukunft e.V.

Kleine Organisationen sind das Rückgrat demokratischer Vielfalt

Entwicklungspolitische Organisationen bringen globale Zusammenhänge in Schulklassen, Nachbarschaften, Vereine und Gemeinden. Sie schaffen Räume für Engagement, Beteiligung und kritische Auseinandersetzung. Gerade kleine, lokal verankerte Organisationen erreichen unterschiedliche Zielgruppen und bringen Perspektiven ein, die große zentrale Strukturen nicht ersetzen können. Eine vielfältige Zivilgesellschaft ist kein Luxus, sondern Voraussetzung einer lebendigen Demokratie.

„Die Kürzungen sind demokratiegefährdend und können für kleine Vereine und Initiativen das Aus bedeuten”, erklärt Marie-Luise Abshagen, kommissarische Leiterin des Forum Umwelt und Entwicklung. “Aber die Kürzungen sind nicht naturgegeben, sondern eine politische Entscheidung. Statt klimaschädliche Subventionen abzubauen oder eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne einzuführen, um strukturelle Schieflagen im Haushalt anzugehen, kürzt man dort, wo Menschen sich für das Gemeinwohl und den Zusammenhalt in der Gesellschaft engagieren. Insbesondere nach dem Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt müssten sich demokratische Parteien jetzt umso mehr hinter entwicklungspolitische NGOs stellen.“

Die Forderung: Kurskorrektur jetzt!

Das Forum Umwelt und Entwicklung schließt sich der Forderung anderer zivilgesellschaftlicher Organisationen an, die Mittel für zivilgesellschaftliche Arbeit mindestens auf dem Niveau von 2024 zu sichern – und fordert die Bundesregierung auf, in der anstehenden Haushaltsplanung 2027 eine Trendumkehr einzuleiten, statt den eingeschlagenen Sparkurs fortzusetzen. Die demokratische Vielfalt, die insbesondere durch kleine Organisationen verkörpert wird, darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen.

 


Über das Forum Umwelt und Entwicklung

Das Forum Umwelt und Entwicklung koordiniert seit 1992 die Zusammenarbeit deutscher Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zur Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit.

 

Pressekontakt

Marie-Luise Abshagen, E-Mail: abshagen@forumue.de Tel.: 0 30 678 1775 75

Mireille Remesch, mireille.remesch@essen-mit-zukunft.de Tel.: 040 39 25 26

Kategorien: Pressemitteilungen
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