Frauenökonomie in der handwerklichen Fischerei

Blue Economy und die lokalen Küstengemeinschaften

Gemeinhin wird die Fischerei als eine Männerdomäne angesehen. In unserer Vorstellung gehen Männer dem harten Beruf des Fischers nach und schuften auf Fischbooten und Trawlern. Frauen verarbeiten den Fisch zuhause oder verkaufen ihn auf dem Markt. Sie als »Fischerfrauen« zu bezeichnen, führt in die Irre. Denn als Kleinunternehmerinnen behaupten sich Frauen in der gesamten Wertschöpfungskette der handwerklichen Fischerei: Frauen sind das Bindeglied, vom Moment der Ankunft des Fangs am Anlandungsort bis zur Weiterverarbeitung für den Verzehr. Als Händlerinnen bieten sie frische und von ihnen verarbeitete Fischereierzeugnisse auf lokalen und regionalen Märkten an.

Im Kontext der Agenda 2030 sich, mit Blick auf die Meerespolitik, auf Fragen der nachhaltigen Nutzung und des Meeresschutzes zu konzentrieren ist naheliegend. Es entspricht zum einen dem Charakter der aktuellen meerespolitischen Debatten und zum anderen dem grundsätzlichen Anliegen der Agenda 2030. Die Fischereiwirtschaft spielt dabei eine Schlüsselrolle und steht nicht umsonst im Kern vieler Überlegungen und Programme zur Zukunft der Ozeane und Meere. Fischereiaktivitäten finden heute auf mehr als der Hälfte der globalen Meeresfläche statt und stellen aufgrund ihrer Übernutzung der Meeresökosysteme das Hauptproblem für den Schutz der marinen Biodiversität dar.

Andererseits sind sie einer der wichtigsten Eckpfeiler der Meerespolitik und ihrer entwicklungspolitischen und sozialen Dimension bei der Bekämpfung von Hunger und Arbeit. Die Fischereiwirtschaft mit Fischerei und Aquakultur sowie allen daran angeschlossenen Bereichen der Verarbeitung, der Vermarktung und der Infrastruktur sichert die Existenzgrund lagen von hunderten von Millionen Menschen und deren Familien. Dies gilt in erster Linie für die handwerkliche Fischerei. Hier sind die mit Abstand meisten Menschen in der Fischereiwirtschaft beschäftigt. Vor allem sie stärkt die lokale Ernährungssicherheit. Global gesehen ist die Fischereiwirtschaft einer der zentralen ökonomischen Sektoren der Blue Economy nach dem Tourismus, der fossilen Offshore-Industrie und der Seeschifffahrt.

Die Basis einer jeden nach – haltigen und gerechten Blue Economy muss deshalb eine Meerespolitik sein, die es schafft Fischerei und Meeresschutz zusammenzubringen und kohärent zu gestalten. Dass dies nicht zuletzt auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit ist, wollen wir mit diesem Beitrag hervorheben.

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Kategorien: Meere, Veröffentlichungen
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