Kohle ist Kohle
Kohle ist Kohle
Warum Australien deshalb handeln muss
Anlässlich der ‚Santa Marta-Konferenz‘ in Kolumbien, im Rahmen derer Regierungen zum ersten Mal über den Ausstieg aus fossilen Energien beraten haben, hat die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald ein Briefing veröffentlicht, in dem auf die zunehmende Produktion von metallurgischer Kohle (sogenannte Met-Kohle) hingewiesen wird. Viele Staaten übersehen leider weiterhin, dass Met-Kohle ein extrem klimaschädlicher fossiler Brennstoff ist, dessen Einsatz in industriellen Bereichen dringend beendet werden muss.
Unternehmen, Regierungen und Finanzinstitute unterscheiden häufig zwischen ‚Kraftwerkskohle‘ und Met-Kohle – je nach deren Verwendungszweck. Unternehmen verbrennen Kraftwerkskohle hauptsächlich zur Stromerzeugung. Met-Kohle dagegen wird verbrannt, um Eisenerz zu Eisen und anschließend zu Stahl zu verarbeiten. Met-Kohle enthält mehr Kohlenstoff und weniger Feuchtigkeit als Kraftwerkskohle, wodurch sie eine höhere Energiedichte aufweist und in der Regel teurer ist. Aus klimatischer Perspektive kann Met-Kohle mehr als dreimal so umweltschädlich sein wie Kraftwerkskohle, da sie höhere Methanemissionen verursacht.[i]
Australien: Vorsitz der COP31 & führend im Met-Kohlegeschäft
Gerade Australien trägt eine besondere Verantwortung: Nachdem der Staat den Wahlkampf um den Vorsitz der COP31 gewonnen hat, sollte Australien nun einen konkreten Termin für den Kohleaussteig benennen. Doch obwohl Australien anerkennt, dass der COP-Vorsitz die Richtung der Verhandlungen bestimmt, Debatten lenkt und politische Gräben überbrückt, gibt es leider keine Anzeichen dafür, dass Australien die Kohle aufgibt. Im Gegenteil: Australien ist der weltweit größte Exporteur von Met-Kohle und zugleich der Staat mit den weltweit größten geplanten Ausbauplänen für diesen hochgradig umweltschädlichen und oft übersehenen fossilen Brennstoff.
Welche zerstörerischen Met-Kohleminen in Australien sind geplant?
Als Australien den Vorsitz der COP übertragen wurde, erklärte Premierminister Anthony Albanese: „Unsere Region steht an vorderster Front der Klimakrise, wo die Auswirkungen des Klimawandels real und unmittelbar sind. Die COP31 wird den Fokus der Welt auf die Auswirkungen, Chancen und Prioritäten in unserer Region lenken.“[ii] Australiens Projekte zum Ausbau von Met-Kohle erzählen jedoch eine ganz andere Geschichte:
Peak Downs Mine: Das australische Unternehmen BHP und das japanische Unternehmen Mitsubishi wollen die Lebensdauer ihrer Peak-Downs-Kohlemine um 93 Jahre bis 2116 verlängern. Die 300 Meter tiefe Mine fördert ausschließlich Met-Kohle für die Stahlherstellung. Dies macht die Verlängerung der Lebensdauer bis weit ins nächste Jahrhundert hinein noch fragwürdiger.
Blackwater South: Das australische Unternehmen Whitehaven plant aktuell die Blackwater South Mine. Diese soll 2032 in Betrieb gehen und noch bis ins Jahr 2122 Met-Kohle produzieren. Sollte die Regierung die Pläne von Whitehaven genehmigen, würde dies einen Lebensraum für Koalas zerstören, der etwa 3.200 Fußballfeldern entspricht.
Winchester South: Whitehaven beabsichtigt zudem, das Tagebauprojekt ‚Winchester South‘ für Kraftwerks- und Met-Kohle zu errichten. Dieses Kohlebergwerk würde eine Menge an Emissionen verursachen, die den gesamten jährlichen Emissionen Australiens entsprechen. Das Unternehmen plant, sein giftiges Abwasser einfach in den Isaac River zu leiten, was die Trinkwasserversorgung einer ohnehin schon wasserarmen Region in Queensland gefährdet.
Es gibt klimafreundliche Alternativen zu Met-Kohle
Heute können Unternehmen grünen Wasserstoff oder grünen Strom nutzen, um klimafreundliches Eisen und Stahl herzustellen.[iii] Der Think Tank Agora Industry hat berechnet, dass bereits Anfang der 2040er Jahre eine weltweite Stahlproduktion ohne Kohle möglich ist.[iv] Die Internationale Energieagentur hat zudem festgestellt, dass die bestehenden Met-Kohlebergwerke bereits genug Kohle liefern, um den Bedarf bis 2050 zu decken.[v] Dennoch planen Unternehmen weiterhin 273 neue Met-Kohle Minen oder Erweiterungen von bestehenden Minen, die die Produktion um 52 Prozent steigern würden.[vi] Die australische Kohleindustrie ist eines der größten Hindernisse für einen ehrgeizigen Ausstieg aus der Kohle.
Wir brauchen einen konsequenten Kohleausstieg – inklusive Met-Kohle!
Wichtige Normungsgremien der Finanzbranche haben bereits erkannt, dass auch Met-Kohle ein Problem ist: Die Science Based Targets Initiative, die wissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele für Unternehmen definiert, hat zum Beispiel kürzlich einen ‚Net-Zero-Standard für Finanzinstitute‘ veröffentlicht, in dem sie den Ausschluss von Unternehmen fordert, die in Met-Kohle expandieren.[vii] Auch die von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde erlassene Verordnung über Paris-Aligned Benchmarks unterscheidet nicht zwischen Kraftwerkskohle und Met-Kohle.
Australien sowie alle anderen Regierungen müssen spätestens auf der COP31 diesem Beispiel folgen und sich zu einem gemeinsamen Ausstieg aus der Kohle insgesamt verpflichten – sowohl aus der Kraftwerkskohle als auch aus der Met-Kohle.
Für die indigenen Gemeinschaften in Australien darf ein Ausstieg aus der Met-Kohle zudem nicht erneut zu schädlichen Auswirkungen des Rohstoffabbaus führen. Der Kohlebergbau hatte verheerende Folgen für die Wassersysteme, die Kulturlandschaften und das die Gemeinschaften. Sogenannte ‚Just Transition‘-Rahmenwerke müssen auf der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) basieren, Wasser als lebendes System schützen und eine von den indigenen Gemeinschaften geführte Governance gewährleisten.
Moritz Leiner
Der Autor ist Energie- und Finanzcampaigner bei dem Umwelt- und Menschenrechtsverein urgewald e.V.
Titelbild: Max Phillips (Jeremy Buckingham MLC) CC BY-NC-ND 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)
[i] Steelwatch (2025): Met coal: what it is and why it is a climate risk. SteelWatch Explainer Series – Metallurgical Coal. Den Haag.
https://steelwatch.org/steelwatch-explainers/steelwatch-explainer-met-coal-what-it-is-and-why-it-is-a-climate-risk/
[ii] Prime Minister of Australia (2025): COP to be hosted by Türkiye with Australia leading negotiations. Canberra.
https://www.pm.gov.au/media/cop-be-hosted-turkiye-australia-leading-negotiations
[iii] Steelwatch (2025)
[iv] Agora Industrie (2023): The global steel industry can achieve net-zero emissions by the early 2040s.Berlin. https://www.agora-industry.org/news-events/the-global-steel-industry-can-achieve-net-zero-emissions-by-the-early-2040s-1-1
[v] International Energy Agency (2021): Net Zero by 2050: A Roadmap for the Global Energy Sector. Paris. https://iea.blob.core.windows.net/assets/20959e2e-7ab8-4f2a-b1c6-4e63387f03a1/NetZeroby2050-ARoadmapfortheGlobalEnergySector_CORR.pdf, S.103
[vi] Urgewald (2026): Met Coal Exit List 2026: Hundreds of New Metallurgical Coal Mine Projects put Communities, Ecosystems and Our Climate at Risk. Berlin. https://www.coalexit.org/sites/default/files/download_public/MCEL%20Briefing%202026.pdf
[vii] Science Based Targets initiative (2025): Financial Institutions Net-Zero Standard: Version 1.0. London.
https://files.sciencebasedtargets.org/production/files/Financial-Institutions-Net-Zero-Standard.pdf
