Sicherheit für wen?

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Sicherheit für wen?

Die Nationale Maritime Konferenz und die blinden Flecken der maritimen Politik

Die Nationale Maritime Konferenz (NMK) 2026 in Emden stand, wie erwartet, ganz im Zeichen der Stärkung der maritimen Wirtschaft. Doch während Politik und Wirtschaft über die „Sicherheit Deutschlands“ sprachen, blieb eine zentrale Frage ungestellt: Sicherheit für wen? Die Konferenz zeigte einmal mehr, dass die maritime Branche zwar ihre eigene Stabilität feiert – die Menschen, die diese Stabilität erst ermöglichen, und die Ökosysteme, die sie tragen, jedoch kaum Beachtung fanden.

Jeden Tag transportieren knapp zwei Millionen Seeleute 90 % des globalen Handels über die Ozeane. Sie arbeiten unter Bedingungen, die wir hierzulande nicht akzeptieren würden: 70 bis 90 Stunden pro Woche, sieben Tage die Woche, oft monatelang ohne Landgang, mit hoher körperlicher und seelischer Belastung. Ihr Arbeitsplatz – die internationale Handelsflotte – ist zudem Schauplatz gewaltsamer Konflikte, sei es durch Piraterie, Angriffe auf Schiffe oder die aktuellen Spannungen in der Straße von Hormus oder im Roten Meer.

Und die Arbeitsrealität vieler Crews wird zusätzlich durch Billigflaggen verschleiert: Ein System, das Reedereien ermöglicht, Steuern zu sparen und Arbeits- sowie Umweltstandards zu umgehen. Wer schützt diese Menschen, die unsere globale Wirtschaft am Laufen halten?

Die Kosten der „Sicherheit“: Wer zahlt den Preis?

Während die NMK die maritime Wirtschaft als stabilisierenden Faktor der globalen Wirtschaft feierte, offenbarten sich die Widersprüche dieses Systems:

Für Seeleute bedeutet die „Sicherheit unserer Lieferketten“ oft Unsicherheit im eigenen Leben: prekäre Arbeitsverhältnisse, fehlende medizinische Versorgung und die Gefahr, in Krisen im Stich gelassen zu werden.

Für Küstengemeinschaften im Globalen Süden bedeutet die „Sicherheit unserer Rohstoffversorgung“ die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen: steigende Meeresspiegel, verschmutzte Gewässer und leergefischte Meere. Die versprochene Klimafinanzierung des Globalen Nordens bleibt unzureichend – und kommt oft mit neuen Schulden daher.

Für das globale Klima bedeutet die „Sicherheit unserer Handelsrouten“ eine Beschleunigung der Klimakrise. Die Schifffahrt ist für fast 3 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich – mehr als die gesamte Luftfahrt. Doch während Flugzeuge längst reguliert werden, bleibt die Schifffahrt weitestgehend unangetastet.

Tiefseebergbau: Ein Symbol für kurzsichtige Politik

Ein besonders eklatantes Beispiel für die Doppelmoral der maritimen Politik ist der Tiefseebergbau. Die Bundesregierung betont zwar, an einer „vorsorglichen Pause“ festzuhalten – doch gleichzeitig fördert sie Projekte wie „Deep Sea Sampling“ oder Testvorhaben von Unternehmen wie „Impossible Metals“.

Die Tiefsee ist eines der letzten unberührten Ökosysteme unseres Planeten. Statt sie zu schützen, wird sie zunehmend als neue Rohstoffquelle gesehen – mit unkalkulierbaren Folgen für die marine Biodiversität und die Menschen, die von intakten Meeresökosystemen abhängen.

Echte Sicherheit: Gerechtigkeit statt Ausbeutung

Echte Sicherheit im maritimen Sektor kann nicht durch Abgrenzung oder Ausbeutung entstehen. Sie basiert auf Gerechtigkeit, Kooperation und dem verantwortungsvollen Umgang mit gemeinsamen Ressourcen:

Für Seeleute bedeutet das: faire Arbeitsbedingungen, verbindliche Standards und die Anerkennung, dass sie keine austauschbaren Räder im System sind – sondern diejenigen, die es am Laufen halten.

Für Küstengemeinschaften bedeutet das: Klimagerechtigkeit, Zugang zu Anpassungsfinanzierung und den Schutz ihrer Lebensräume – ohne neue Schulden oder Abhängigkeiten.

Für das Ökosystem bedeutet das: ein Ende der Ausbeutung der Tiefsee und die Erkenntnis, dass ein gesundes Meer die beste Lebensversicherung für uns alle ist.

Eine verpasste Chance und ein Aufruf zum Umdenken

Die NMK 2026 hat gezeigt, dass die maritime Politik weiterhin Wirtschaft und geopolitische Interessen in den Mittelpunkt stellt – während die Menschen, die diese Wirtschaft tragen, und die Umwelt, die sie ermöglicht, am Rand bleiben. Doch echte Sicherheit kann nicht auf Kosten anderer gehen. Sie entsteht nur, wenn wir alle Betroffenen einbeziehen – die Crews auf den Schiffen, die Küstengemeinschaften des Globalen Südens und die Ökosysteme, von denen wir alle abhängen.

Es braucht eine maritime Branche, die auf Partnerschaft statt auf Ausbeutung basiert, und eine Meerespolitik, die nicht nur Rohstoffe sichert, sondern die Zukunft aller schützt, die vom Meer abhängen. Wir brauchen politische Entscheidungen und Diskussionen, die die Betroffenen ins Zentrum setzen. Ein Schritt in diese Richtung wäre es, sie in Konferenzen wie die NMK einzubinden und ihre Bedarfe anzuhören.

Denn am Ende geht es nicht um Schiffe. Nicht um Rohstoffe. Es geht um Menschen. Um Gerechtigkeit. Um die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen.

Johanna Zschornack

Die Autorin ist Geschäftsführerin des Bremer entwicklungspolitischen Netzwerks e.V. (BeN). Das BeN ist Mitglied im zivilgesellschaftlichen Netzwerk ‚Fair übers Meer‘. Johanna Zschornack hat die NMK von „Außen“ betrachtet, da sie selbst nicht als Teilnehmerin zugelassen worden war.

Hinweis: In Übereinstimmung mit unserem „Verhaltenskodex für die Nutzung von KI im BeN“ (https://ben-bremen.de/wp-content/uploads/2024/10/Positionspapier-KI-1.pdf) weist die Autorin darauf hin, dass dieser Text unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz (LeChat) verfasst wurde.

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